Begriff und Definition von Cannabis

Zur Begrifflichkeit: „Cannabis“ ist das lateinische Wort für Hanf und gehört zur Pflanzenfamilie der Hanfgewächse „Cannabaceae“. In Deutschland und vielen anderen Ländern wird der Begriff Cannabis allerdings oft umfassend für (Nutz-) Hanfpflanzen und THC-haltige Produkte der Pflanze genutzt.

Technisch unterscheidet man aber zwischen (medizinischem) Cannabis und Nutzhanf. Auch wenn beide äußerlich - mit dem ikonischen 7 Blättern - schwer zu unterscheiden sind, liegt der Hauptunterschied im Gehalt des psychoaktiven Wirkstoffes THC [Δ9-trans-Tetrahydrocannabinol] und der daraus folgenden Klassifizierung:

MEDIZINALCANNABIS

Mit dem gemeinhin bekannten und berauschenden medizinischen Cannabis aka. Marihuana aka. Gras sind die getrockneten Blüten von THC-reichen weiblichen Cannabis-Pflanzen (Cannabis Sativa L.) gemeint. Man unterscheidet im medizinischen Bereich die Unterarten Sativa und Indica sowie Hybrid-Züchtungen von beiden. Die Unterarten unterscheiden sich in den sekundären Pflanzeninhaltsstoffen. Dabei spielen vor allem die sogenannten Terpene, ein im Blütenharz vorkommender Pflanzenstoff, eine Rolle.

Bei der Obergattung Cannabis wird zwischen männlichen und weiblichen Pflanzen unterschieden. Die weiblichen Pflanzen produzieren während ihrer Blüte Harze. In diesen Harzen befinden sich Cannabinoide (THC, CBD und andere Terpene) in hoher Konzentration.

Der medizinische Pflanzenstoff aus Blüte und Harz

Die Wirkstoffe selbst findet man in den Blüten-Haaren (sog. Trichome), die als klebriges „Harz" gewonnen werden und eine hohe Konzentration von THC, CBD und mindestens 140 weiteren Cannabinoiden aufweisen. Aus den Blüten werden durch Extraktionsverfahren auch s.g. Vollspektrum-Extrakte gewonnen, die ein bestimmtes Mischverhältnis der Inhaltsstoffe beschreiben. Da in diesen Pflanzen der Anteil an psychoaktiven THC besonders hoch ist, fallen Blüten und Extrakte in Deutschland unter das Betäubungsmittelgesetz (BTMG). Ärzte können diese THC-haltigen Blüten und Öle oder die daraus entwickelten Fertigarzneimittel sowie synthetische Cannabinoiderzeugnisse seit 2017 bei schwerwiegenden Krankheiten verschreiben. Sie werden dann über ein spezielles BtM-Rezept (ärztlich verschrieben) durch die Apotheke an Patienten abgegeben.

Als Hasch oder Piece wird oft das gepresste Harz (Haschisch) der Cannabispflanze bezeichnet. Es wird aus den Blüten, aber auch aus mit Harzen besetzten Blättern (s.o.) gewonnen und findet im medizinischen Gebrauch keine Anwendung. Medizinisches Cannabis darf in Deutschland nur durch vom BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) zertifizierten Anbietern unter sehr strengen Auflagen und Sicherheitsvorkehrungen angebaut und vertrieben werden.

Im medizinischen Bereich wird durch strenge Dosierschemata eine medizinische Wirkung z.B. Schmerzlinderung erzielt. Eine berauschende Wirkung wird durch niedrige Mengen und vorsichtiges Eindosieren weitgehend vermieden. Die Verwendung in Kombination beider Cannabinoide, THC und CBD, reduziert ebenfalls das High-Gefühl. 

NUTZHANF

Nutzhanf (oder auch Industrie- oder Faserhanf) ist eine Variation der Pflanze, deren THC-Gehalt unter 0,2% liegt. Damit entstehen weder psychoaktive, berauschende noch andere Wirkungen, die durch das THC ausgelöst werden könnten. Diese Pflanzen sind auch aufgrund ihrer physischen Eigenschaften wie bspw. der starken Faser vielseitig einsetzbar und kommen in diversen Industrien zur Anwendung (z.B. als Kunststoffe, in der Automobilindustrie, als Dämmmaterial in der Bauindustrie, als Faser in der Textilindustrie, zur Treibstoffherstellung, u.v.m.).

Die Pflanzenfaser des Hanf als Alleskönner

Aus den Samen dieser Pflanze kann auch Hanföl durch Pressung gewonnen werden. Dieses wiederum ist reich an ungesättigten Fettsäuren und Eiweiß. Hanfsamen sind auch zum Verzehr geeignet. Nutzhanf wird in Deutschland von Bauern, nach Anzeige bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), auf Feldern angebaut.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Cannabis als Oberbegriff nicht nur die psychoaktive „Droge“ bezeichnet, sondern die gesamte vielfältige Pflanzengattung umfasst. Das „Kiffer-Image“ der Pflanze bröckelt weltweit und die hervorragenden Heilaspekte der Phytocannabinoide kommen zur Geltung. Nicht zuletzt durch die Forschung und durch moderne Verfahrenstechniken wird die Wirkung der Heilpflanze Cannabis immer besser verstanden. Zusätzlich spielt diese Pflanze auch im landwirtschaftlichen Anbau eine entscheidende Rolle.

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